Potosí y el cerro que come hombres

Unsere Reise nach Potosí begann eines Abends in La Paz. Das Schöne am Urlaub ist, dass man die Zeit vergisst, deshalb kann ich schon gar nicht mehr sagen wann wir aufbrachen. Unser Bus schlängelte sich Richtung El Alto hoch,  was uns einen schönen Blick auf La Paz bei Nacht bescherte. Die Stadionbeleuchtung war sozusagen an und alle Ränge besetzt. Kaum auf dem Hochplateau angekommen, hielt der Bus auch schon wieder, um weitere Fahrgäste aufzunehmen und fliegenden Hollhändler die Möglichkeit zum Geldverdienen zu bieten. Ein blinder Mann lief durch den Bus und erbat Allmosen, nach kurzer Fahrt stieg er dann wieder aus. Keine Ahnung ob er sein Heim je wieder fand. Dann endlich ging die Reise los,  sie sollte 10 Stunden dauern. Mitten in der Nacht gab einen kleinen Zwischenstop, wie ich später erfuhr, geschuldet der nicht funktionierenden Toilette. Da ich schön schlief, bekam ich auch nicht mit, dass meine französische Sitznachbarin ein Fass aufmachte, dass sie sich ihres dringenden Bedürfnisses nicht entledigen konnte. Das Problem löste sie dann vor der Tür zur Fahrerkabine und ein kleiner Sturzbach bahnte sich seinen Weg dorthin.

In Potosí angekommen, war es sehr früh am Morgen und zudem noch kalt. Als wir dann endlich in unsere Zimmer konnten, war Siesta angesagt. Potosí an sich ist eine hässliche Stadt, dazu kommen noch die Abgase der Autos. Die gesamte Stadt hängt irgendwie am Cerro Rico,  dem Berg, der Spanien einst reich machte. Wie man heute sieht, haben die anscheinend das ganze Silber verjubelt.

James und ich beschlossen angesichts des schlechten Wetters in den Berg zu gehen. Früh am Morgen kamen die beiden Guides, einer für spanisch und einer für englisch. Es waren schon zwei richtige Idioten, doch wie sich heraus stellte zwei nette Idioten.

Wir bekamen Schmutzschutzkleidung, Helm und Lampe. Die erste Station war eine kleine Tienda,  in der man Bergmannszubehör kaufen konnte. Dieses bestand aus Dynamitstangen, Zünder und Lunte, Coca Blättern, 96%igem Alkohol, Bier und Limonade. Das war als Geschenk für die Rede und Antwort stehenden Kumpel im Berg gedacht. Vollbeladen wie der Weihnachtsmann ging es dann weiter zum Schacht. In gebückter Haltung betrat man dann den Berg, dessen Gänge wohl nie TÜV bekommen werden. Man huldigte mit Bier und Coca Blättern dem cooperativeigenen Schutzpatron. Dann ging es tiefer in den Berg hinein, vorbei an Schächten, die 75m in die Tiefe reichten. Es ging durch rutschige Löcher auf und ab, teils halsbrecherisch. Unsere Gruppe bestand aus einem nervenden, alles über Dynamit wissen wollenden Brasilianer (von uns liebevoll Dynamit Harry genannt), einem holländischen Pärchen, einem Thailänder, James und mir. Unser Führer hieß Jhonny, kaute fortwährend Coca und suchte eine Verlobte. Das konnten wir später seiner Visitenkarte entnehmen. Wir trafen auf Kumpel,  die unter schwierigsten Bedingungen dort seit 30 Jahren arbeiten. In einer Sprengpause saßen wir zusammen und es wurden die jeweiligen Berufe abgefragt. Unsere brasilianische Nervensäge machte etwas mit Ozean, worauf er zum Sardinero abgestempelt wurde. Bevor wir den Berg wohlbehalten verließen, wurde noch schnell das letzte Bier mit Jhonny geleert und auch Pachamama bekam ihrer Anteil. Im Anschluss besichtigen wir noch das La Casa de la Moneda, die alte Geldprägemaschine der Spanier.

Abends gab es dann noch ein üppiges Mahl aus geschätzt 3 Kilo Fleisch zum Spottpreis von 4,50€ in einer komplett zugeräucherten Kaschemme. Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege, vorläufig. Jason, Fluschi und Berte brachen Richtung Salar de Uyuni auf und weiter nach Chile. Uns dagegen (James und ich) zog es dagegen Richtung Sommer und Großstadt, nach Córdoba in Argentinien.

 

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