Santiago, Metropole Chiles

Nach einer langen Fahrt von Córdoba über Mendoza kamen wir an der chilenischen Grenze an. Dort standen die PKWs in einer 5 km langen Schlange an. Zum Glück durften die Busse daran vorbei fahren, was uns aber nichts nützte, da der Grenzübertritt dann doch 3 Stunden dauerte. Der Grenzübergang liegt auf einem Bergpass in den Anden und bietet einen grandiosen Ausblick auf das im „Tal“ liegende Chile. Die Straße vom Grenzübergang schlängelt sich in 29 Kurven rund 700m nach unten.

Im Endeffekt kamen wir mit 2 Stunden Verspätung in Santiago an und bezogen unser Hostel. Ohne uns dort lange aufzuhalten, ging es wieder los. Wir wollten uns mit el Pato und la Pato treffen, Freunde, die wir vor 4 Jahren kennengelernt hatten. El Pato arbeitet in einem Restaurant, das den Namen „Hambre“, also Hunger trägt. Das wäre so wie wenn Schieke das OBE in Durst umbenennen würde.
Das Wiedersehen fiel feuchtfröhlich aus. James fand in dem Freund von Patricia einen Seelenverwandten. Wir tauften ihn Wiki-Lucho, da sein Geschichtswissen unerschöpflich schien.
Am nächsten Tag ging es dann auf einen Berg mit einer Jungfrau obendrauf. Dummerweise war es morgens noch bewölkt gewesen, so dass wir auf Sonnenschutz verzichteten, ein schwerwiegender Fehler. Wir liefen 5 km bergauf, verbrannten uns fürchterlich und dann ging es, dank der nicht mehr betriebsfähigen Seilbahn, wieder 5 km bergab. Von dem Berg aus hatte man einen wunderschönen Ausblick auf Santiago.
Am Abend stießen dann Jason, Fluschi und Berte zu uns. Es endete wie es enden musste, in Mengen Bier. Die Rechnung belief sich auf stolze 110€. Am nächsten Tag hieß es dann erst mal ab zur Botschaft und für Jason einen neuen Reisepass beantragen. Sein alter wurde ihm bei der Ankunft in Santiago entwendet.
Der Nachmittag gehörte dann den Zentralfriedhof. Es war schon eine beklemmendes Gefühl vor der Wand mit den Namen der während der Pinochet Diktatur Verschwundenen zu stehen. Wir besuchten das Grab von Salvador Allende und nach langem Suchen fanden wir auch das Grab von Víctor Jara.
Am Abend wurde wie immer viel getrunken und am nächsten Tag ging es dann ab zu Axel. Das war am Donnerstag, 22. Januar.
An dieser Stelle überspringe ich mal die Hochzeit von Axel, die wird in einem separaten Beitrag behandelt.
Am Dienstag waren wir dann gegen Mitternacht wieder zurück in Santiago. Leider bekamen wir um diese Zeit kein Bier mehr, da die Bars uns nicht mehr einließen, es war fast Sperrstunde.
Die letzten Tage in Santiago verbrachten wir wie immer in irgendwelchen Kneipen und auf der Suche nach Souvenirs.
Am Abend vor unserer Abreise trafen wir uns nochmal mit Emma und Salvi. Später stieß dann noch Chichu zu uns. Ein bemerkenswerter Typ und Lebenskünstler. Von Salvi erfuhren wir, dass es noch ein HipHop-Cumbia Konzert um die Ecke gab. Der Einlass war für einen Donnerstag recht spät gegen Mitternacht. Wir, also Fluschi, ich, Emma, Salvi und Chichu, ließen uns davon nicht abschrecken und bereuten es auch nicht. Die Musik war Geschmackssache und vor allem die von Fluschi. Er legte wiedermal sein tänzerisches Talent frei und sprang im Gleichklang mit den ChilenInnen vor der Bühne auf und ab. Gegen 4 Uhr fielen wir dann, wie immer angetütelt, ins Bett.
Am Freitag, 30. Januar, hieß es dann Abschied nehmen von Santiago und Jason. Er reiste separat zurück.
Am Flughafen mussten wir uns dann auch von Schieke trennen, dessen Flug erst später ging.
Ala wir die Küste Brasiliens verließen, war auch die Zeit für Fluschi gekommen. Die Uhr sprang auf Mitternacht und für Fluschi brach ein neues Lebensjahr an. Dies war Grund genug, die im Duty free erworbene Flasche Pisco Sour zu leeren. Der Flug nach Paris verlief schlaflos und Filme schauend. Wir kamen mit 45 Minuten Verspätung dort an. Damit blieben uns auch nur noch 45 Minuten, um zum Abflug Gate zu kommen. Fluschi legte sich dann an der Handgepäckkontrolle noch mit der Kontrolleurin, die in seinem Rucksack eine Flüssigkeit gesehen haben wollte. In Berlin stellte sich dann heraus, dass sie Recht hatte, aber da war sie schon von einem aufgebrachten Fluschi beschimpft worden. Eigentlich ein Grund zum Beichten!
Mit Not und einem Ausdauersprint erreichten wir noch rechtzeitig unseren Flieger nach Berlin, unser Gepäck leider nicht. Daher durfte ich dann barfuß und in Sandalen nach Hause fahren.
Am Abend nutzen wir dann noch unseren Jetlag, um mit Fluschi seinen Geburtstag gebührend und bis in die Morgenstunden zu feiern.

 

Córdoba und die Schmach

Nachdem wir den Berg in Potosí bezwungen hatten, fühlten wir uns wie Don Quijote und ritten auf einem klapprigen Gaul, ähm Bus gen Süden.

Der Bus fuhr sehr ausgeglichen, bergauf langsam aus Mangel an Kraft und bergab ebenso, weil seine Bremsen wohl ebenso schwach waren und nur die Motorbremse half.
Beruhigend wirkte, dass neben uns 3 Generation Indigenas seelenruhig schliefen.
Zwischendurch half ich dem Fahrer noch bei einer Notbremsung für zwei Esel, die auf die Straße liefen, ich sah schon das Blut an die Frontscheibe spritzen. Aber nochmal „Schwein“ gehabt.
Auf der Fahrt zur argentinischen Grenze wurde es zunehmend heißer, was unseren leicht unterkühlten Knochen wohltat.
Nach 7 Stunden erreichten wir den Grenzort Villazón und liefen über die Grenze. Auf argentinischer Seite wurden wir mit den Weiten des Landes vertraut gemacht. Ein Schild wies uns den Weg zur südlichsten Stadt Argentiniens, Ushuaia, aber bis dahin waren es noch 5121km.
Wir ließen uns nicht abschrecken und stiegen in einen Bus der uns zur nächstgrößeren Stadt bringen sollte und von dort aus nach Córdoba. Problem war, dass der Bus nicht so klapprig aussah wie er es war. Auf halber Strecke fingen die beiden Fahrer an unter den Bus zu kriechen und kamen mit einem Hydraulikschlauch wieder hervor. Diesen versuchten sie dann mit Isolierband und Schlauchschellen zu flicken. Das Ergebnis erlebten wir nicht mehr, da wir geistesgegenwärtig in einen anderen Bus umstiegen. Dieser brachte uns dann die restlichen 100km sicher nach Jujuy. Dort hatten wir einige Probleme Bargeld zu bekommen, bzw. mit Kreditkarte zu bezahlen. Worauf hin wir uns ein Taxi nahmen, das uns zum neuen Busterminal bringen sollte. Der Taxifahrer war recht redselig, ließ sich trotz verlorenem WM-Finale nicht davon abbringen Hitler zu loben. Nachdem er sagt Hitler hätte razón, also Grund für sein Handeln, brachen wir unsererseits die Unterhaltung ab.
Zeitnah bestiegen wir den Bus nach Córdoba, wo wir auch nach 10 Stunden ankamen.
Wir suchten uns ein Hostel im Zentrum, direkt in ’ner Einkaufsstraße, welche total überlaufen war.
Abends schlenderten wir ein wenig rum auf der Suche nach Bier. Das fanden wir auch in einer gut besuchten Straße, dort waren vorrangig ausreichend versorgte StudentInnen unterwegs. Am Nachbartisch saßen fünf dieser Exemplare, weiblicher Art und Fingernägel kauend. Die schafften es nicht mal das Fernet Branca Rätsel der Promotion Aktion ohne abzugucken zu lösen. Sie scheiterten wohl an der Frage „Wieviele Buchstaben folgen A und B im Alphabet?“. Ich konnte die Frage auch nicht beantworten, da ich nicht wusste welches gemeint war und ob Ä, Ö und Ü mitzählen. Schließlich und endlich bekamen die Mädels dann doch ihren Fernet, mich ließ das aber an dem hiesigen Bildungssystem zweifeln. Eine derzeit vorherrschende Mode in Argentinien zwingt die Mädchen sich die untere Hälfte ihrer langen Haare zu blondieren, grauenhaft.
Am nächsten Tag entschlossen wir uns zu einer Stadtrundfahrt. Dadurch bekamen wir genügend Input für einige interessante Spaziergänge durch die Stadt. In Córdoba fuhren noch Oberleitungsbusse russischer Bauart.
Am nächsten Abend kamen wir wieder, um noch weitere Quillmes Gläser mitgehen zu lassen. Die Kellner unter deren Augen wir unser schmutziges Geschäft vollzogen, sahen aus wie Bill Clinton und Ulf Kirsten.
An unserem letzten Abend in Córdoba begaben wir uns wieder an den Tatort, aber dieses Mal war es noch hell, was aber unsere Tischnachbarn nicht davon abhielt besoffen zu sein. Irgendwie kamen wir ins Gespräch und durften uns das Leid der argentinischen Mittelschicht anhören. In meinen Augen war es kein wirkliches Leid, da hatten wir schon schlimmeres auf unserer Reise gesehen. Naja, jedenfalls schleppten sie und ins Haus der 80 Biere, welches eine hervorragende Aussicht bot, die aber mit jedem Bier schwand.
Das Ende des Liedes war, das wir uns Videos ansehen mussten, die einen von diesen “Armseeligen” beim Liebesakt zeigten. Damit war auch unsere Schmerzgrenze erreicht und wir setzten uns langsam ab. Eigentlich hatten wir noch eine Einladung für den darauffolgenden Tag zu einem Asado (Grillen), aber zum Glück schossen sich unsere neuen Freunde noch ordentlich ab und kamen am Sonntag nicht aus dem Bett.
Wir nutzten die gewonnene Freizeit zu einer Fahrt zum örtlichen Stadion. Das Stadion Mario Alberto Kempe war am 21. Juni 1978 Schauplatz für die “Schmach von Córdoba” aus deutscher Sicht und für Österreich das “Wunder von Córdoba”. Deutschland verlor damals bei der WM mit 2:3 gegen Österreich und schied aus.
Übrigens schließen Sonnabend um 13 Uhr die Geschäfte und das Leben in der Innenstadt von Córdoba stirbt aus. Völlig krass zu sehen wie sich von einem Augenblick auf den anderen Menschenmassen in Nichts auflösen.
Am Abend ging es dann weiter Richtung Mendoza und von dort aus direkt nach Santiago.

Vicuna, die Perle im Valle del Elqui

Die chilenischen Gayfährten unserer Salzwüstendurchquerung empfahlen uns diese kleine Perle. Dazu mussten wir nach unserer Nachtbusfahrt in La Serena nur kurz umsteigen und waren kurz nach acht in Vicuna. Nach erfolgreicher Hostelsuche und nettem Frühstück beschlossen wir für zwei Nächte zu bleiben. Dieser Ort schien das genaue Gegenteil von San Pedro de Atacama zu sein. Nette Leute, wenig Touristen und die größte Piscobrennerei des Landes. Dieser statteten wir natürlich eine Exkursion ab und bekamen eine Führung nur für uns, da wir dann doch die einzig nichteinheimischredenden Personen auf dem Gelände waren. Zum Schluß noch über den Geschmack von peruanischen und chilenischen Pisco Sour streitend, begaben wir uns wieder ins Zentrum. Und dies sollte nicht die einzige kulturelle Erfahrung bleiben. Neben einem kleinen privaten historischen Museum (Führung durch den liebenswerten alten Hausherrn himself) gibt es auch ein Museum über die chilenische Literaturnobelpreisträgerin Gabriela Mistral, welche 1889 in diesem Ort geboren wurde. Eigentlich stand auch noch ein Besuch von einem der vielen Observatorien auf dem Plan, wurde aber gegen relaxtes Entspannen am Marktplatz eingetauscht. Aber wir sind uns einig, dass wir dies zu einem anderen Zeitpunkt nachholen werden. Vicuna hat echte Fans in uns gefunden. Relativ entspannt ging es dann in einer Tagfahrt nach Santiago, wo die deutsche Wiedervereinigung mit James und Christian anstand.

 

Am Tage
Am Tage
Unter Palme (mal wieder)
Unter Palme (mal wieder)
Dos Daumos
Dos Daumos
Sanchpanch
Sanchpanch
FreddyM.
FreddyM.
Netter Museumsopa
Netter Museumsopa
Handschrift von Gabriela
Handschrift von Gabriela
Gabrielas Familie
Gabrielas Familie
Suchbild
Suchbild
Ohne Worte
Ohne Worte
Kumpi
Kumpi
Bei Nacht
Bei Nacht

San Pedro de Atacama, ein Hauch von Nichts

Unser Grenzübertritt nach Chile war relativ früh und unkompliziert. Und nach kurzem Thing beschlossen wir nur für eine Nacht in San Pedro de Atacama zu bleiben. Und viel zu berichten gibt es auch nicht. Jedenfalls nicht, wenn die Dinge positiv sein sollen, über die man berichten möchte. Mittlerweile sehr überlaufen, sehr überteuert und sehr übersättigt errang SPdA keinen Platz mehr in unserer Sehnsuchtshitliste. Und selbst der kleinste Wunsch am Abend nach EINEM Bier erfüllte sie uns nicht. Überall Verbote und Polizei. Die einzigen drei positiven Dinge auf unserer Station waren das Ausschlafen seit mehreren Tagen, Jasons und fluscHis Tour durchs Valle de la Luna und das wir am nächsten Tag sofort den gewünschten Bus bekamen. Nicht schön, aber so ist es nun einmal. SPdA merkte aber unsere Unzufriedenheit und sendete noch mal einen letzten Gruß der Reisegruppe light hinterher, indem sie meinen finanziellen Glückstalisman aus Copacabana samt kleinen Reiserucksack als Tribut von ihren treuen Gesellen in Form von Bushandtaschendieben einforderte. Und sie waren gut. Komisch nur, dass unsere chilenischen Freunde vor Peru und Bolivien gewarnt haben, aber ihr eigens Land so zuschlägt. Zum Glück war nichts lebensnotwendig enthalten, wie Zweitleber oder Niere 3 und 4. Doch wir sollten entschädigt werden …

 

2,5 Marias und 1 Dino Inka in gelb Amphitheater myself Tal des Todes RundumSPdA Ausflug Sonne essen Seele auf is gone für Torsten